Schlagwort-Archive: Fachkräftemangel

Interview: Ist der „Jobbörsen-Kompass“ der neue Recruiting-Schlüssel zu den Kandidaten?

Seit April ist das neue Portal „Jobbörsen-Kompass” online. Es soll das Recruiting erleichtern. Betreiber ist das HR-Fachportal Crosswater-Job-Guide.

EMPLOYERREPUTATION wollte gerne mehr zu den Hintergründen, Funktionsweisen und der eigentlichen Idee erfahren. Wir freuen uns, dass Gerhard Kenk, als Geschäftsführer der Crosswater Web Services GmbH, uns im Interview Rede und Antwort steht:

employerreputation: Gerhard, Crosswater-Job-Guide hat den „Jobbörsen-Kompass“ gestartet. Was hat Euch zu diesem Portal veranlasst?

Gerhard Kenk: Im digitalen Recruiting haben sich nach wie vor zwei Grundbedingen nicht verändert: Erstens zählen Jobportale zu den wichtigen, wenn nicht gar zu dem wichtigsten Recruiting-Kanal überhaupt. Weiterlesen

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Gastbeitrag: „Der Programmierer mit den roten Haaren.“

Chris Pyak, Geschäftsführer der Immigrant Spirit GmbH gibt sein Debüt auf employerreputation und erzählt, wie „HR sich verändern muss, damit internationale Rekrutierung funktioniert“.

Viel Spaß beim Lesen!

„Wir stellen nur rothaarige Programmierer ein.“ Es war zum Verzweifeln. Mit der Personalleiterin war einfach kein vernünftiges Gespräch möglich. Weiterlesen

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Candidate Experience: Tipps für Einsteiger

Candidate Experience Management (CXM) ist in aller Munde. 2015 wurde das Jahr des Kandidaten ausgerufen, und es wurde sogar ein CXM-Award geschaffen. Kein HR-Blogger ignoriert das Thema, und ein Best-Practice-Rat jagt den nächsten. Auch Statistiken bestätigen den Trend: Personaler finden, dass CXM mit „Recruiting von Berufserfahrenen“, „Employer Branding“ und „Professionalisierung des Recruitments“ zu den aktuell wichtigsten Themen im Recruiting gehört.[1] Doch was können Arbeitgeber, die neu in das Thema einsteigen, konkret tun?

Das sind unsere Empfehlungen für CXM-Einsteiger:

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Deutsche Absolventen sind heimatverbunden. Mobilitätsreport von trendence

In ihrer aktuellsten Studie, dem „Mobilitätsreport“ geht trendence der Fragestellung auf den Grund, wie offen deutsche und europäische Absolventen für einen jobbedingten Umzug sind. Basis des Reports sind die Ergebnisse des trendence Graduate Barometers Europe, der umfassendsten Absolventenbefragung in Europa mit rund 300.000 Teilnehmern von über 900 Hochschulen in 24 europäischen Ländern. Herr Jörn Klick, Verantwortlicher der Studie, hat employerreputation in einem Interview Rede und Antwort gestanden: Weiterlesen

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Candidate Experience – das Wichtigste im Überblick: 1. Definitionen

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2015 ist das Jahr des Kandidaten. EMPLOYERREPUTATION liefert zum Abschluss des Jahres eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Grundlagen des Candidate Experience Managements in drei Kapiteln: „Definitionen“, „Was Kandidaten wollen“ und „Checkliste für ein professionelles Candidate Experience Management“

1. Definitionen:

Candidate Experience ist die Summe der Wahrnehmungen und Erfahrungen, die eine Interessentin oder ein Kandidat mit einem potenziellen Arbeitgeber sammelt. Weiterlesen

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Wie teuer ist eine schlechte Arbeitgebermarke? LinkedIn-Studie und Interview

EMPLOYERREPUTATION präsentiert die Infografik mit den Ergebnissen der aktuellen LinkedIn-Studie ‚Employer Brand Research‘ und  stellt vier Fragen an Chris Brown, Direktor Rekrutierungslösungen LinkedIn:

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OneClickBewerbung: mobile Recruiting für kleine und mittelständische Unternehmen

In eigener Sache:

Ferber Personalberatung bringt ein neues Produkt auf den Markt, die OneClickBewerbung.

OneClickBewerbung für das mobile Recruiting

Die OneClickBewerbung ist ein Angebot für Firmen, die auf einzelne oder auch auf alle Stellenanzeigen nicht ausreichend Bewerbungen erhalten und kein Bewerbermanagement-System im Einsatz haben. Mit der OneClickBewerbung wird es für Kandidaten einfacher, eine Bewerbung einzureichen. Im Ergebnis gehen auf die Stellenanzeigen mehr Bewerbungen von Wunschkandidaten ein.

Die OneClickBewerbung schließt eine Lücke, von der insbesondere kleine und mittelständische Firmen betroffen sind.

Wie alles begann…

Häufig unterstützen wir (als Ferber Personalberatung) Unternehmen, die jährlich nur zwei, zehn oder zwanzig Stellen besetzen. Nicht immer ist klassisches Headhunting unser Mittel der Wahl. Oft starten wir eine Mini-Kampagne zur Stellenbesetzung oder optimieren Stellenanzeigen für unsere Kunden – und dabei ist uns aufgefallen, dass im Mobile Recruiting eine Lösung für diese mittelständischen Unternehmen fehlt.

Der Alltag im Fachkräftemangel-Arbeitsmarkt:

Qualifizierte Kandidaten auf Jobsuche haben die Wahl zwischen einer überwältigenden Anzahl von Stellenausschreibungen. Um in diesem Wettbewerb Fach- und Führungskräfte anzulocken, Weiterlesen

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Auf der Zukunft Personal: Sie erzählen, was Sie zu einem guten Arbeitgeber macht und wir bloggen darüber!

Meet the Blogger – EMPLOYERREPUTATION folgt der Einladung der Zukunft Personal

Workshop für KMU und Mittelstand zp15_130x80-de

15.09.2015, 10:00 – 11:00 Uhr, Blogger Lounge – Halle 2.1

Für Teilnehmer des Workshops sind Freikarten für die Zukunft Personal reserviert (Informationen dazu am Ende des Artikels).

Die Zukunft Personal hat die bekanntesten HR-Blogger des deutschsprachigen Raums eingeladen, und alle kommen und bringen ihre Lieblingsthemen mit (mehr im Programm oder bei Stefan Scheller). EMPLOYERREPUTATION ist mit einem besonderen Projekt dabei. Wir wollen Ihre Geschichten erzählen!

Die besten Arbeitgeber sind…

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Ali, bist Du ein reicher König? Interview mit Ali Mahlodji von WHATCHADO

Als ich las, dass Ali als CEO von WHATCHADO zurücktritt und die Rolle an Jubin Honarfar übergibt, war ich fasziniert. In der Management-Literatur wird immer wieder beschrieben, dass erfolgreiche Gründer-CEO’s meist nicht die Richtigen für die Wachstumsphase sind. Gleichzeitig geben die StartUp-Gründer ihr Baby nur selten freiwillig aus der Hand. Dieses Phänomen ist bekannt als „King-or-Rich“-Dilemma[1]:

Gründerdilemma

„King-or-Rich“-Dilemma (übersetzt)

employerreputation: Danke Ali, dass Du Dir Zeit für das Gespräch nimmst. Kommt Dir das King-or-Rich-Dilemma bekannt vor?

Ali Mahlodji: Ja, ich kannte es von früheren Erzählungen aus der Management-Literatur; was es aber bedeutet, habe ich erst verstanden, als es soweit war.

employerreputation: In Eurem Blog veröffentlicht Ihr den Wechsel an der Spitze mit einem Foto im Boxring[2]. Gab es einen Kampf im Management-Team?

Ali_Jubin_Boxring

Ali Mahlodji: Durch Reibung entsteht Wärme und diese ermöglicht Wachstum. Aber Kämpfe gab es keine. Es gab und wird immer Meinungsverschiedenheiten geben. Aber dass dieser Wechsel sinnvoll ist, darüber waren sich alle einig.

employerreputation: Was ändert sich für die Mitarbeiter durch den Wechsel?

Ali Mahlodji: Für die Mitarbeiter in ihren Aufgaben relativ wenig. Es ist jetzt einfach so, dass der Perser, der die Richtung vor gibt nicht mehr Ali, sondern Jubin heißt und es hier manchmal andere Philosophien geben wird – wichtig ist nur, dass es in die richtige Richtung geht und das wird es definitiv. Das wissen auch die Mitarbeiter und das Management steht voll und ganz dahinter.

employerreputation: Was ändert sich für die Kunden durch den Wechsel?

Ali Mahlodji: Der neue CEO ist wohl die Person, die unsere Kunden am Besten kennt. Das bedeutet jetzt noch mehr Fokus auf den Markt, die Bedürfnisse der Kunden und User. Die ersten Jahre waren produktgetrieben und das war notwendig, um zu lernen, was der Markt braucht. Der jetzige Fokus gehört dem Wachstum, verbunden mit klarem Commitment zu Qualität!

employerreputation: Auf Facebook schreibt WHATCHADO über den Führungswechsel „Wir tauschen Perser an der Führungsspitze aus!“ Was bedeutet für Euch Diversity Management?

Ali Mahlodji: Wir haben 41 Mitarbeiter aus 10 Nationen und die Frauenquote liegt bei über 60%. All das war nicht geplant, weil wir an die Devise glauben, dass jeder Mensch eine Chance bekommen muss. Diversity bedeutet bei uns, dass wir Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion und sonstigen Faktoren, die man sich selbst nicht ausgesucht hat, dazu bringen möchten eine Chance zu bekommen.

employerreputation: Glaubst Du, dass Gründungen für Migrantinnen und Migranten besonders herausfordernd sind? Braucht es spezielle Wirtschaftsförderung für Menschen mit Migrationshintergrund?

Ali Mahlodji: Gründung ist immer schwer und war es immer schon. Migration ist dem Markt, auf dem man agiert vielleicht nur anfangs wichtig, danach irrelevant und sollte auch niemals im Vordergrund stehen.

employerreputation: Was rätst Du …:

  • … jungen Menschen in der Berufsorientierung? Abgesehen davon, dass sie sich auf WHATCHADO.com informieren sollten?

Ali Mahlodji: Stress dich nicht. Du kannst jetzt noch nicht wissen, was du eines Tages machen willst, aber du hast ein Leben lang Zeit. Wichtig ist, dass du etwas tust, Dinge ausprobierst und erkennst, was du gut kannst und was nicht und dich danach richtest. Lass dir nicht von anderen Menschen erzählen, was Erfolg ist – definiere es selbst. Erst am Ende deines Lebens wirst du wissen, warum einiges gut war, was vielleicht damals noch keinen Sinn ergeben hat.

  • … Menschen, die gescheitert sind oder die Brüche im Lebenslauf haben?

Ali Mahlodji: Steh dazu, steh auf und geh weiter! Wenn alle beim 100ten Versuch scheitern, kommt vielleicht nur der weiter, der es 100 und 1mal versucht. Scheitern ist immer das Erkennen von einem Weg, wie es nicht geht und das ist eine Erfahrung, die man nur teuer erkaufen kann.

  • … Recruitern, die unter dem Fachkräftemangel leiden?

Ali Mahlodji: Dass sie nicht jammern, sondern ihre Hausaufgaben machen sollen. Jammern hilft keinem Menschen, sondern schwächt und mindert Energien. Lernen von den Besten nenne ich es immer. Ich kenne Hidden Champions aus Österreich und Deutschland (z.B. BFFT), die keine Probleme haben, weil sie sich z.B. extrem gut mit der Zielgruppe auseinander setzen und diese dort abholen, wo sie bereits heute schon interagieren. Höre ich von Unternehmen, die heute noch diskutieren, ob z.B. Social Media Sinn macht, erkenne ich, dass diese sich nicht auf ihre Zielgruppen eingelassen haben.

  • … Gründern, die an ihren Erfolgsaussichten zweifeln?

Ali Mahlodji: Wenn du zweifelst und Angst hast, bist du auf dem richtigen Weg! Wenn du denkst, dass alles gut geht, du alles richtig machst und du siegen wirst, läufst du Gefahr, dass du Opfer deines Egos wirst. Unternehmer sind dafür da, um Probleme zu lösen, die davor noch keiner gelöst hat. Zweifel und Angst sind gute Freunde und Begleiter, die dich immer wieder runter bringen. Lernen sie lieben.

employerreputation: Vielen Dank für das Interview, lieber Ali!

Zur Person:

Ali Mahlodji, Co-Founder, Ex-CEO und Chief-Storyteller

Ali Mahlodji, CO-Founder und nun Ex-CEO von WHATCHADO.com, wurde 1981 in Teheran/Iran geboren, jedoch flüchteten seine Eltern vor dem persischen Regime nach Österreich. Nachdem er in seiner Jugend die Schule abgebrochen hatte, holte er später noch seinen Abschluss Software Engineering (BSc.) an der FH Technikum Wien, berufsbegleitend nach.

Bevor er 2012 WHATCHADO.com mit gründete, war er nach seinem Abschluss als SAP Business Consultant bei der Siemens AG, als Engagement Manager bei Sun Microsystems, sowie zuletzt als Lehrer am Gymnasium Haizingergasse, Wien mit Fokus auf Digitale Medien, tätig.

[1] The Founder’s Dilemma, Noam Wasserman, https://hbr.org/2008/02/the-founders-dilemma (abgerufen am 10.07.2015 um 11:01)
[2] Announcement – Jubin Honarfar wird CEO von WHATCHADO, https://www.whatchado.com/blog/announcement-jubin-honarfar-wird-ceo-von-whatchado/ (abgerufen am 10.07.2015 um 11:20 Uhr)
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Schaut die Politik in Städten und Regionen dem Fachkräftemangel hilflos zu?

Interview mit der Vorsitzenden des Verbandes Region Rhein-Neckar, Dr. Eva Lohse

employerreputation: Frau Dr. Lohse, gibt es einen Fachkräftemangel in der Metropolregion Rhein-Neckar?

Dr. Eva Lohse: In der Metropolregion Rhein-Neckar sind wir sehr gut aufgestellt, die Region ist wirtschaftsstark, innovativ und zukunftsorientiert und muss sich unter diesem Blickwinkel ganz anderen Herausforderungen in dieser Frage stellen als strukturschwache Regionen. Was wir erkennen können, ist, dass ein verifizierbarer Bedarf in der Altenpflege, bei den Erzieherinnen und Erziehern und in den für die Region wichtigen Berufsbereichen Mechatronik, Automatisierungs- und Energietechnik sowie im chemischen Bereich besteht, dass Schwierigkeiten bei Stellenbesetzungen nicht nur für Akademiker, sondern in einigen Branchen und Berufen sogar stärker für beruflich qualifizierte Fachkräfte bestehen. Insbesondere Meister oder Techniker sind schon heute auf dem regionalen Arbeitsmarkt schwer zu finden. Und schließlich ist festzuhalten, dass Auszubildende bereits jetzt im Gaststättengewerbe, im Baugewerbe, bei gesundheitsbezogenen Dienstleistungen, im IT-Bereich sowie im Handel und Lebensmittelhandwerk fehlen.

employerreputation: Kann die Politik vor Ort die Auswirkungen des Fachkräftemangels abmildern? Oder ist die Politik in Städten und Regionen dem Fachkräftemangel hilflos ausgeliefert? Was tun Sie gegen den Fachkräftemangel?

Dr. Eva Lohse: Hier gibt es mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Zunächst einmal stehen die Kommunen der Region selbst als Arbeitgeber in der Verantwortung. Mit den Gehältern in der Industrie können wir nicht mithalten. Wir müssen mit anderen Vorteilen punkten: Stichwort Arbeitgeberattraktivität und allem was dazu gehört. In einer Region kann das allein nicht helfen. Die Zusammenarbeit aller Akteure führt zum Erfolg einer Region wie der unseren. Der Zusammenschluss macht uns stark und dies insbesondere dann, wenn alle Akteure mitgestalten. Die Erfolge können sich sehen lassen. Lassen Sie mich ein paar Beispiel nennen:

  • Das Projekt „Kooperatives Übergangsmanagement“ (KÜM) wurde an 15 Schulen der Region von 2008 bis 2013 durchgeführt. Die Übergangsquote der Abgängerinnen und Abgänger von der Schule in die duale Ausbildung wurde dabei nahezu verdoppelt und wesentliche Elemente konnten in bestehende Arbeitsmarktinstrumente integriert werden.
  • Außerdem wurden mit der Datenbank „Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialmonitoring“ (WIAS) die für eine regionale Planung notwendigen Indikatoren festgelegt und Daten zu Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Sozialem bereitgestellt.
  • Ein weiterer Baustein ist das bereits seit 1999 bestehende Netzwerk Forum „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“: Es veröffentlichte die Vereinbarkeitsstudien 2007 und 2012 und führt zahlreiche Projekte durch. Beispiele sind die Kinderbetreuungsdatenbank, Workshops und Lehrbausteine zur Sensibilisierung von (angehenden) Führungskräften sowie Veranstaltungen und Broschüren zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.
  • Und schließlich setzen wir in der Region auf eine gelebte Willkommenskultur: Die Metropolregion war an der Studie „Einreiseoptimierung“ des Normenkontrollrates beteiligt. Die Gesetzesänderung des §31 AufenthV ist unter Mitarbeit der maßgeblichen Akteure der Region auf den Weg gebracht worden. Wir haben den Rhine-Neckar Welcome Club und eine Dual Career-Vereinbarung mit den Agenturen für Arbeit. Wir waren mit Unternehmen in Barcelona zur Anwerbung von Fachkräften und konnten die entstandenen Kooperationen ausbauen. Marketingseitig sind Instrumente wie der Newcomers Guide Rhine-Neckar und ganz aktuell die Website rhein-neckar-upgrade.de geschaffen worden. Dies sorgt für eine attraktivere Außendarstellung der Region – gerade für diese Zielgruppen.

employerreputation: Sie haben sich dafür ausgesprochen, Flüchtlinge nach Berufserfahrung auf die Regionen zu verteilen. Was meinen Sie damit genau?

Dr. Eva Lohse: Regional sehen wir Flüchtlinge als eine Chance für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Vor der Arbeitsmarktintegration sind jedoch viele rechtliche Fragen zu klären. Wollen wir den Menschen eine Chance für die Integration am Arbeitsmarkt geben, muss dann gewährleistet sein, dass sie so schnell wie möglich Deutsch lernen. Es sollte ein einheitliches System für eine niederschwellige Kompetenzfeststellung geben, damit wir wissen, wen wir wohin am Sinnvollsten vermitteln und dies sowohl zum Leben als auch zum Arbeiten. In der Region benötigen wir in den Kommunen und Unternehmen unterschiedliche Qualifikationen. In vielen unserer ländlichen Gebiete ist z.B. die Frage der Pflege- und Ärzteversorgung gravierender als anderswo, das Tourismusgewerbe hat ggf. größeren Bedarf an Arbeitskräfte zu kommen. Somit wäre ein berufliches Profiling bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Länder durchzuführen. Das geschieht bisher leider (noch) nicht.

employerreputation: Green Card, Blue Card, Punkte nach kanadischem Vorbild, … Immer wieder werden neue Gesetze umgesetzt oder diskutiert, um qualifizierte Zuwanderer zu gewinnen. Was wünschen Sie sich von der Bundespolitik?

Dr. Eva Lohse: Die grundsätzliche Frage, ob Deutschland ein neues Zuwanderungsgesetz benötigt, wird sehr kontrovers diskutiert; generell ist ein System erforderlich, nach dem qualifizierte Zuwanderung möglich ist – aber mit klaren Vorgaben. Ob das kanadische Punktesystem Vorbild sein sollte, bezweifle ich. Bei der Frage der Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte war die Region bisher sehr aktiv und in der Frage der Einreiseoptimierung Modellregion für gesetzliche Veränderungen. Außerdem waren wir zwei Mal mit regionalen Unternehmen in Barcelona, haben dort Kontakte zu Universitäten, dem Goethe-Institut und weiteren Akteuren geknüpft. In diesem Jahr gehen wir als Gesamtregion mit der Fachkräfteallianz des Landes Baden-Württemberg nach Barcelona und vertreten die Region nach außen. Für potenzielle Fachkräfte können wir auf diesem Weg die Region attraktiv darstellen und bekannt machen. Die Kommunen benötigen eine stabile Finanzierung, die in Bezug auf die Arbeitsmarktintegration die Mittel für Qualifizierung wie Sprache, Aus- und Weiterbildung sicherstellt. Gesetzlich müssen klare Regelungen her z.B. zum Bleiberecht ganz besonders für minderjährige Jugendliche, die wir für zahlreiche Ausbildungswege dringend benötigen.

employerreputation: Welchen Rat geben Sie mittelständischen Unternehmen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind?

Dr. Eva Lohse: Kleine und mittelständische Unternehmen haben es sicher beim Wettbewerb um die besten Köpfe schwer. Doch sie können gemeinsam aktiv in der Region mitgestalten und auch vom Wissen der „Großen“ profitieren. Zwar können sie in Bezug auf Gehälter überwiegend nicht mit den Großen mithalten, aber es gibt daneben noch viel mehr Optionen als man glaubt. Sprechen wir von den Generationen X oder die neue Generation Y, die jetzt gerade auf den Arbeitsmarkt strömt, dann wissen wir, dass es nicht alleine die Gehälter sind, die ein Unternehmen für die jungen Menschen attraktiv macht. Hier kann einiges getan werden. Region kann dabei unterstützen auch Instrumente an die Hand zu geben. Best practice in der Region haben wir z.B. mit unserer Broschüre „Pflegefall – Was nun?“ oder dem Kompetenztraining Pflege. Zudem gibt es zahlreiche institutionelle Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten, z.B. über die Kammern oder die Agenturen für Arbeit, die noch viel mehr in Anspruch genommen werden können. Dabei unterstützt die Region als Informations- und Austauschplattform.

employerreputation: Frau Dr. Lohse, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person:

Oberbürgermeisterin Stadt Ludwigshafen am Rhein Dr. Eva Lohse

Dr. Eva Lohse ist seit April 2006 Verbandsvorsitzende des Verbandes Region Rhein-Neckar. Die promovierte Juristin ist außerdem seit Januar 2002 Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein und seit April 2013 Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages.

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