Interview: Ist der „Jobbörsen-Kompass“ der neue Recruiting-Schlüssel zu den Kandidaten?

Seit April ist das neue Portal „Jobbörsen-Kompass” online. Es soll das Recruiting erleichtern. Betreiber ist das HR-Fachportal Crosswater-Job-Guide.

EMPLOYERREPUTATION wollte gerne mehr zu den Hintergründen, Funktionsweisen und der eigentlichen Idee erfahren. Wir freuen uns, dass Gerhard Kenk, als Geschäftsführer der Crosswater Web Services GmbH, uns im Interview Rede und Antwort steht:

employerreputation: Gerhard, Crosswater-Job-Guide hat den „Jobbörsen-Kompass“ gestartet. Was hat Euch zu diesem Portal veranlasst?

Gerhard Kenk: Im digitalen Recruiting haben sich nach wie vor zwei Grundbedingen nicht verändert: Erstens zählen Jobportale zu den wichtigen, wenn nicht gar zu dem wichtigsten Recruiting-Kanal überhaupt. Das beweisen die Recruiting-Trend-Studien von Prof. Dr. Tim Weitzel (CHRIS Universität Bamberg) in Zusammenarbeit mit Monster Deutschland und die aktuelle Studie von Prof. Dr. Wolfgang Jäger in Zusammenarbeit mit der Personalwirtschaft.

Zweitens hat sich die Anzahl der aktiven Jobportale in Deutschland nicht reduziert, wie es einige Markt-Romantiker gerne gesehen hätten, sondern Jobbörsen und Jobsuchmaschinen folgen dem Technologie-Fortschritt. Als Konsequenz der relativ niedrigen Einstiegskosten eines Jobportals erfahren wir eine Ausdehnung und Fragmentierung des Jobbörsen-Marktes. Die Spezialisierung und die Intransparenz nehmen zu und stellen für Recruiter und Bewerber ein Hemmnis in der effizienten Nutzung des digitalen Recruiting-Markts dar.

Genau hier greift die Konzeption des „Jobbörsen-Kompass“ ein. Einerseits schafft der Jobbörsen-Kompass einen Marktüberblick über die wichtigsten Bewerber-Zielgruppen und stellt die Leistungsdaten der Jobportale übersichtlich dar, andererseits werden über eine Nutzer-Umfrage Einschätzungen über Zufriedenheit oder Weiterempfehlung gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht.

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Quelle: Recruiting-Strategien 2016, Personalwirtschaft.

employerreputation: Für wen ist das Portal interessant und warum? Profitieren auch Bewerber von den Ergebnissen?

Gerhard Kenk: Der Jobbörsen-Kompass baut auf einer Umfrage für Arbeitgeber und Bewerber auf. Bewerber können die Ergebnisse abfragen und feststellen, welche ihrer Peers (oder Konkurrenten am Arbeitsmarkt) welche Jobbörsen nutzen und wie sie mit diesen zufrieden sind. Dabei können Bewerber ihre Suche nach demografischen Kriterien (Berufsstatus, Studiengebiet, Postleitzahlgebiet und mehr) filtern.

employerreputation: Wie funktioniert das Portal genau? Ist es nur eine weitere Dauer-Umfrage, oder steckt mehr dahinter?

Gerhard Kenk: Die Dauerumfrage dient dazu, die Datengrundmenge zu erheben, um mit stetig wachsenden Datenmengen eine immer bessere Relevanz der Ergebnisse herzustellen und mittelfristige Trends zu erkennen. Gleichzeitig werden beim Jobbörsen-Kompass eine Reihe von Online-Analysen und Trefferlisten bereitgestellt, um mehr Transparenz zu erzielen. Dabei können beispielsweise Fragen beantwortet werden wie:

  • Wie zufrieden sind Arbeitgeber mit den wichtigsten Recruiting-Kanälen, differenziert nach Branche des Arbeitgebers
  • Welche Jobbörsen nutzt im „War for Talents“ die Arbeitgeber-Konkurrenz? Dies kann selektiv analysiert werden nach Branche, Standort, Unternehmensgröße oder zu besetzendem Berufsfeld
  • Und schließlich beantwortet der „Königsweg zum Kandidaten“ die zentrale Frage, in welchen Jobbörsen sich die Wunschkandidaten auf der Suche nach Karrierechancen tummeln. Dort sollten Recruiter ihre Stellenanzeigen schalten und sich nicht auf Bauchgefühl, Rahmenverträge oder Rabattstaffeln bei Anzeigenpaketen verlassen.

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    Der Königsweg zum Kandidaten

employerreputation: Zum Abschluss, verrate uns doch, wo Deiner Meinung nach die Reise im „Data Driven Recruiting“ hin geht?

Gerhard Kenk: Ich beobachte zurzeit eine Weiterentwicklung der Internetsuche, die sich nicht nur an einem übereinstimmenden semantischen Textmatching (Beispiel: Weinober, Sommelier) orientiert, sondern zusehends Meinungsbilder der Konsumenten berücksichtigt.

Katy Börner, Absolventin der HTWK Leipzig und jetzt Professorin an der University of Indiana, hat die Weiterentwicklung des World-Wide-Webs anhand von Präferenz-basierten semantischen Webs am Beispiel der Musik bildhaft dargestellt:

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Die von Prof. Börner geleistete Pionierarbeit beeinflusste maßgeblich die aktuelle Weiterentwicklung der Internet-Suche anhand von Vergleichsportalen in vielen Konsumenten-Bereichen (Arbeitgeberbewertungen, Hotels, Restaurants, Versicherungen, Ärzte, Pflegeheime, Musik usw.).

Der Jobbörsen-Kompass liegt genau auf dieser Linie, Meinungsbilder und Empfehlungen für Jobbörsen-Nutzer ohne Zugangsbeschränkungen kostenlos bereitzustellen. Google liefert millionenfache Treffer zu Stellenanzeigen und findet auch exotische Jobbörsen wie Waidlajobs.de, aber gibt leider keine Auskunft darüber, wie zufrieden Nutzer mit einzelnen Jobbörsen sind.

Allerdings fallen die Daten nicht einfach vom Himmel: „In God we trust“ – alle anderen müssen ihre Daten liefern. Je mehr Daten verfügbar sind, desto größer ist die Relevanz der Ergebnisse …

Wer gerne an der Umfrage teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen, dies hier zu tun:

Arbeitgeber: http://jobboersen-kompass.de/arbeitgeber-umfrage

Bewerber: http://jobboersen-kompass.de/bewerber-umfrage

employerreputation: Lieber Gerhard, vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten und wir hoffen, dass viele Bewerber und Recruiter dank dem Jobbörsen-Kompass nun schneller zueinander finden werden!

Zur Person:

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Gerhard Kenk

Gerhard Kenk ist Geschäftsführer von Crosswater Web Services GmbH und gilt als Grandfather der Jobblogging-Szene.
Seit Februar 2000 betreibt der frühere IT-Recruiter Gerhard Kenk das Portal Crosswater-Job-Guide und ist damit Deutschlands dienstältester Jobblogger. Das Info-Portal richtet sich an Personaler und Recruiter, an Stellensuchende und Jobbörsen-betreiber und verschafft einen Überblick über den Markt der Jobbörsen und Jobsuchmaschinen in Deutschland.

 

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