Deutsche Absolventen sind heimatverbunden. Mobilitätsreport von trendence

In ihrer aktuellsten Studie, dem „Mobilitätsreport“ geht trendence der Fragestellung auf den Grund, wie offen deutsche und europäische Absolventen für einen jobbedingten Umzug sind. Basis des Reports sind die Ergebnisse des trendence Graduate Barometers Europe, der umfassendsten Absolventenbefragung in Europa mit rund 300.000 Teilnehmern von über 900 Hochschulen in 24 europäischen Ländern. Herr Jörn Klick, Verantwortlicher der Studie, hat employerreputation in einem Interview Rede und Antwort gestanden:

employerreputation: Wir haben seit vielen Jahren einen offenen Arbeitsmarkt in Europa. Aber wollen die Absolventen von heute überhaupt im Ausland arbeiten?

Jörn Klick: Jeder fünfte europäische Absolvent will nach dem Studium einen Job im Ausland, ein Drittel davon will nach Deutschland. Die Deutschen sind da heimatverbundener. Hierzulande sucht nur jeder Zehnte sein berufliches Glück im Ausland. Das liegt sicherlich auch an der guten Wirtschaftslage in Deutschland – und der zum Teil schwierigen Arbeitsmarktlage, gerade für junge Menschen, in anderen Ländern Europas. Für Arbeitgeber in Deutschland ist das eine super Chance – denn Deutschland liegt nach Großbritannien auf Rang zwei der beliebtesten Auswanderungsländer in Europa.

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employerreputation: Wer sind denn die Absolventen, die es nach Deutschland zieht?

Jörn Klick: Es sind vor allem Ingenieure und Informatiker aus Osteuropa, die in Deutschland arbeiten wollen. Sie kommen zum Beispiel aus Rumänien, der Slowakischen oder der Tschechischen Republik. Sie sind durchschnittlich 22,5 Jahre alt und machen gerade ihren Bachelor-Abschluss. Diese Studenten wollen vor allem in Unternehmen der IT-Branche, der Luft- und Raumfahrtindustrie und der Energiebranche arbeiten. Das sind Branchen, die bei deutschen Absolventen nicht immer auf Rang 1 liegen – da steht fast uneinholbar die Automobilindustrie. Es können also gerade die Unternehmen von der europäischen Zuwanderung profitieren, die bei den deutschen Absolventen nicht ganz so beliebt sind.

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employerreputation: Und das Netz macht die Kommunikation mit ihnen recht einfach. Oder ist das ein Trugschluss?

Jörn Klick: Natürlich informieren sich die Absolventen vor allem im Internet über Jobmöglichkeiten und Arbeitgeber. Das ist in Europa nicht anders als in Deutschland. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen Deutschland – genaugenommen der gesamten DACH-Region – und dem Rest Europas: die Nutzung der sozialen Netzwerke bei der Suche nach Information zu Arbeitgebern. Deutsche Absolventen sind eher Social-Media-Muffel, zumindest wenn sie sich zum Thema Karriere informieren. Die Absolventen aus Europa, vor allem aus Osteuropa, nutzen Social Media speziell für diesen Zweck viel intensiver. Unternehmen, die europäische Absolventen rekrutieren wollen, können Social Media als Kommunikationskanal also kaum umgehen.

employerreputation: In Deutschland ist das Hochschulmarketing ein wichtiger Baustein der Personalmarketingarbeit. Ist das auch in anderen europäischen Ländern wichtig?

Jörn Klick: Das kommt ganz auf das Land an. In Norwegen ist es für Absolventen beispielsweise sehr wichtig, am Campus persönliche Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen – in Polen, Ungarn oder Griechenland ist es hingegen kaum relevant für die Studierenden. In Großbritannien und Irland sind Karrieremessen enorm wichtig für die Absolventen – in Italien weniger. Unternehmen sollten sich vorher genau informieren, in welchen Ländern welche Maßnahmen vielversprechend sind, und ihre Kampagne entsprechend aufbauen.

employerreputation: Und mit welchen Argumenten können deutsche Arbeitgeber europäische Absolventen von sich überzeugen?

Jörn Klick: Das Gute vorweg: In vielen Punkten ticken die europäischen Bewerber ähnlich. Die meisten wählen sich ihren Arbeitgeber nach den persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die er ihnen bietet. Auch attraktive Arbeitsaufgaben, die Wertschätzung durch den Arbeitgeber und gute Karriereaussichten sind ihnen wichtig. Wenn Unternehmen das in der Ansprache betonen, machen sie vieles richtig. Daneben gibt es natürlich auch viele nationale Besonderheiten, derer sich Arbeitgeber bewusst sein müssen. Für polnische und ungarische Absolventen ist beispielsweise ein hohes Einstiegsgehalt ein wichtiges Argument. Türken, Bulgaren und Rumänen lassen sich vom Prestige eines Arbeitgebers überzeugen.

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employerreputation: Was würden Sie Arbeitgebern auf den Weg geben, die für deutsche Jobs international rekrutieren wollen?

Jörn Klick: Erstens: Wägen Sie ab, in welchem Land Sie Ihre Wunschkandidaten am ehesten finden. Wo wollen die Bewerber nach Deutschland? Bringen sie die Qualifikationen mit, die Sie suchen? Entscheiden Sie sich für die ein oder zwei vielversprechendsten Länder – und versuchen Sie nicht, alle Länder gleichermaßen abzudecken. Das wird ineffizient.

Zweitens: Machen Sie sich mit den Wünschen und Ansprüchen der Absolventen vor Ort vertraut, mit den landesspezifischen Kanälen und Kommunikationsgewohnheiten. Denn mit Posts auf Facebook, LinkedIn & Co. allein ist es nicht getan, sondern ein differenzierter Kommunikationsmix muss her.

employerreputation: Vielen Dank für dieses interessante Interview, lieber Herr Klick!

Jörn Klick

Zur Person:

Jörn Klick ist Senior Manager bei trendence und berät seit sieben Jahren Arbeitgeber zur Weiterentwicklung ihrer Arbeitgebermarke und ihres Personalmarketings auf der Basis der Studienergebnisse des trendence Graduate Barometers. Er ist Verantwortlicher für das trendence Graduate Barometer Europe, auf dessen Ergebnissen der Mobilitätsreport beruht.


Wenn Sie Ihr Arbeitgeberimage in Deutschland oder in einem Arbeitsmarkt in der EU analysieren und optimieren wollen, unterstützen wir Sie gerne. Weitere Informationen finden Sie hier: EMPLOYERREPUTATION – Ihre Persönlichkeit als Arbeitgeber: Für loyale Mitarbeiter, die sich aus eigenem Antrieb an Sie binden.

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