Wie teuer ist eine schlechte Arbeitgebermarke? LinkedIn-Studie und Interview

EMPLOYERREPUTATION präsentiert die Infografik mit den Ergebnissen der aktuellen LinkedIn-Studie ‚Employer Brand Research‘ und  stellt vier Fragen an Chris Brown, Direktor Rekrutierungslösungen LinkedIn:

Infografik_Employer_Branding_Arbeitgebermarke

Infografik mit den Ergebnissen der aktuellen LinkedIn-Studie ‚Employer Brand Research‘

employerreputation: Hallo Chris Brown und willkommen bei EMPLOYERREPUTATION! Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns über die neue LinkedIn Employer Brand Studie zu sprechen.

Chris Brown: Danke, ich freue mich auch über das Gespräch.

employerreputation: Wie in der Infografik oben beschrieben, zeigt Ihre Studie ganz klar, dass eine schwache Arbeitgebermarke teuer ist. Arbeitgeber mit einer schlechten Reputation müssen extra große Gehälter zahlen, um gute Talente für sich gewinnen zu können. Haben Sie genaue Zahlen, was eine Employer Brand wirklich kostet? Können Sie eine Aussage treffen, um wie viel die Kosten für Gehälter bei VW mit dem aktuellen Skandal steigen werden? Was ist mit dem deutschen Mittelstand? Wie viel kostet es eine Firma mit, beispielsweise 250 Mitarbeitern, wenn die regionale Reputation schlecht ist?

Chris Brown: In der Studie versuchen wir, uns einem konkreten Wert anzunähern. Das tun wir, indem wir den Aufschlag berechnen, den qualifizierte Mitarbeiter auf ihr Gehalt verlangen, wenn sie einen Arbeitsvertrag mit einer aus ihrer Sicht schwachen Arbeitgebermarke abschließen. Dieser errechnet sich aus der Fluktuation im Unternehmen und dem Aufschlag auf das Gehalt der neuen Arbeitskräfte. Geht man von einer jährlichen Fluktuationsrate von 17 Prozent und einem Durchschnittsgehalt von 43.234 Euro aus, ergibt sich bei einem Aufschlag von 10 Prozent für ein Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern eine jährliche Kompensation von rund 7,3 Millionen Euro. Der Einfachheit halber haben wir in diesem Beispiel angenommen, dass jeder der neuen Mitarbeiter 10% mehr Gehalt einfordern würde. Bei Durchschnittsgehalt sowie Fluktuationsrate haben wir uns an die Zahlen des statistischen Bundesamts gehalten.

Nimmt man jetzt an, dass sich nur die Hälfte oder ein Viertel der neuen Mitarbeiter einen Markenmangelausgleich bezahlen lassen, kommt das betreffende Unternehmen immer noch auf fast 3,7 beziehungsweise fast 1,8 Millionen Euro Mehrkosten.

Das Ganze für ein Unternehmen als Außenstehender auszurechnen ist schwierig, da man die Zahlen nicht kennt. Ein interner HR-Experte könnte das aber für sein Unternehmen tun und sich so Orientierung verschaffen.

Ziel der Studie ist es auch, einfach zu zeigen, dass dieses Budget langfristig besser im Aufbau einer starken Arbeitgebermarke angelegt wäre und sich Unternehmen darüber Gedanken machen sollten.

employerreputation: Die Studie bezieht in der Berechnung der Employer Brand keine Faktoren wie flexible Arbeitszeiten oder Work-Life-Balance ein. Warum nicht?

Chris Brown: Wie gesagt ist die Studie eine Annäherung. Faktoren wie flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, Weiterbildungsmöglichkeiten oder ein schneller Karriereerfolg haben selbstverständlich auch Einfluss, dem sind wir uns natürlich bewusst. Wir konnten allerdings nicht alle Faktoren miteinbeziehen. Wir haben hier keinen hochwissenschaftlichen Ansatz, aber hoffentlich einen pragmatischen, der den HR-Abteilungen hilft, die Kosten einer fehlenden Arbeitgebermarke zu quantifizieren.

employerreputation: Ein Ergebnis ist, dass der Ruf des Managements einen großen Einfluss auf die Employer Brand hat. Das hört sich für mich nach einer Tautologie an: Die Reputation wird mit Reputation erklärt. Können Sie erklären, was dieses Ergebnis bedeutet?

Chris Brown: Führungsmannschaften haben einen wichtigen Einfluss, die obers te Ebene hat immer Repräsentationscharakter und steht sinnbildlich für ein Unternehmen. Am Auftreten des Top-Managements erkennt man oft gleich den „Charakter“ eines Unternehmens. An dieser Stelle möchte ich aber auch betonen, dass in unserem Fall aber nicht nur das oberste Management gemeint ist, sondern jeder, der sich in einer Führungsposition befindet.

employerreputation: Vor ein paar Monaten haben wir eine Studie von Universum aufgegriffen, die gezeigt hat, dass der Generation Y Jobsicherheit sehr wichtig ist (Wie sicherheitsbedürftig ist die Generation Y?). Ihre Studie zeigt jetzt genau das Gegenteil: Jungen Professionals ist Jobsicherheit weniger wichtig als den Älteren. Ist das nur eine unterschiedliche Interpretation der Zahlen? Oder ist es ein Trend? Wie würden Sie die verschiedenen Ergebnisse interpretieren?

Chris Brown: Unsere Erfahrung und unsere Studien, wie beispielsweise „Talent Trends 2015“, zeigen, dass jüngeren Arbeitnehmern die Jobsicherheit nicht so wichtig ist wie den älteren. Das ist, denke ich, sehr einfach nachzuvollziehen. Wer nicht nur für sich selbst, sondern für eine ganze Familie sorgen muss, für den hat ein gesichertes Einkommen einen viel höheren Stellenwert. Damit steht unser Ergebnis auch in keinem Wiederspruch zu den Universum-Zahlen, denn es ist durchaus möglich, dass der Generation Y die Arbeitsplatzsicherheit wichtiger ist, als es noch den Berufseinsteigern vor zehn oder 20 Jahren war.

employerreputation: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch und Ihre Erläuterungen, lieber Herr Brown!

LinkedIn-Logo

LinkedIn_Chris Brown Zur Person: Chris Brown, Direktor LinkedIn Talent Solutions Großbritannien, für die Studie verantwortlich.

 

 


Kleinen und mittelständischen Unternehmen, die an ihrer Arbeitgebermarke arbeiten wollen, bieten wir eine unverbindliche Analyse aller Employer-Branding-Aktivitäten.
Weitere Informationen zu den Leistungen der Ferber Personalberatung: www.ferber-personalberatung.de

 

Getaggt mit , , , , , , , , , ,

2 Gedanken zu „Wie teuer ist eine schlechte Arbeitgebermarke? LinkedIn-Studie und Interview

  1. Christoph Harringer sagt:

    bitte endlich diese pseudo-Studien nicht mehr zu erstellen/zu verteilen

  2. […] Quelle: Wie teuer ist eine schlechte Arbeitgebermarke? LinkedIn-Studie und Interview […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *