Archiv für den Monat Juli 2015

Ali, bist Du ein reicher König? Interview mit Ali Mahlodji von WHATCHADO

Als ich las, dass Ali als CEO von WHATCHADO zurücktritt und die Rolle an Jubin Honarfar übergibt, war ich fasziniert. In der Management-Literatur wird immer wieder beschrieben, dass erfolgreiche Gründer-CEO’s meist nicht die Richtigen für die Wachstumsphase sind. Gleichzeitig geben die StartUp-Gründer ihr Baby nur selten freiwillig aus der Hand. Dieses Phänomen ist bekannt als „King-or-Rich“-Dilemma[1]:

Gründerdilemma

„King-or-Rich“-Dilemma (übersetzt)

employerreputation: Danke Ali, dass Du Dir Zeit für das Gespräch nimmst. Kommt Dir das King-or-Rich-Dilemma bekannt vor?

Ali Mahlodji: Ja, ich kannte es von früheren Erzählungen aus der Management-Literatur; was es aber bedeutet, habe ich erst verstanden, als es soweit war.

employerreputation: In Eurem Blog veröffentlicht Ihr den Wechsel an der Spitze mit einem Foto im Boxring[2]. Gab es einen Kampf im Management-Team?

Ali_Jubin_Boxring

Ali Mahlodji: Durch Reibung entsteht Wärme und diese ermöglicht Wachstum. Aber Kämpfe gab es keine. Es gab und wird immer Meinungsverschiedenheiten geben. Aber dass dieser Wechsel sinnvoll ist, darüber waren sich alle einig.

employerreputation: Was ändert sich für die Mitarbeiter durch den Wechsel?

Ali Mahlodji: Für die Mitarbeiter in ihren Aufgaben relativ wenig. Es ist jetzt einfach so, dass der Perser, der die Richtung vor gibt nicht mehr Ali, sondern Jubin heißt und es hier manchmal andere Philosophien geben wird – wichtig ist nur, dass es in die richtige Richtung geht und das wird es definitiv. Das wissen auch die Mitarbeiter und das Management steht voll und ganz dahinter.

employerreputation: Was ändert sich für die Kunden durch den Wechsel?

Ali Mahlodji: Der neue CEO ist wohl die Person, die unsere Kunden am Besten kennt. Das bedeutet jetzt noch mehr Fokus auf den Markt, die Bedürfnisse der Kunden und User. Die ersten Jahre waren produktgetrieben und das war notwendig, um zu lernen, was der Markt braucht. Der jetzige Fokus gehört dem Wachstum, verbunden mit klarem Commitment zu Qualität!

employerreputation: Auf Facebook schreibt WHATCHADO über den Führungswechsel „Wir tauschen Perser an der Führungsspitze aus!“ Was bedeutet für Euch Diversity Management?

Ali Mahlodji: Wir haben 41 Mitarbeiter aus 10 Nationen und die Frauenquote liegt bei über 60%. All das war nicht geplant, weil wir an die Devise glauben, dass jeder Mensch eine Chance bekommen muss. Diversity bedeutet bei uns, dass wir Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion und sonstigen Faktoren, die man sich selbst nicht ausgesucht hat, dazu bringen möchten eine Chance zu bekommen.

employerreputation: Glaubst Du, dass Gründungen für Migrantinnen und Migranten besonders herausfordernd sind? Braucht es spezielle Wirtschaftsförderung für Menschen mit Migrationshintergrund?

Ali Mahlodji: Gründung ist immer schwer und war es immer schon. Migration ist dem Markt, auf dem man agiert vielleicht nur anfangs wichtig, danach irrelevant und sollte auch niemals im Vordergrund stehen.

employerreputation: Was rätst Du …:

  • … jungen Menschen in der Berufsorientierung? Abgesehen davon, dass sie sich auf WHATCHADO.com informieren sollten?

Ali Mahlodji: Stress dich nicht. Du kannst jetzt noch nicht wissen, was du eines Tages machen willst, aber du hast ein Leben lang Zeit. Wichtig ist, dass du etwas tust, Dinge ausprobierst und erkennst, was du gut kannst und was nicht und dich danach richtest. Lass dir nicht von anderen Menschen erzählen, was Erfolg ist – definiere es selbst. Erst am Ende deines Lebens wirst du wissen, warum einiges gut war, was vielleicht damals noch keinen Sinn ergeben hat.

  • … Menschen, die gescheitert sind oder die Brüche im Lebenslauf haben?

Ali Mahlodji: Steh dazu, steh auf und geh weiter! Wenn alle beim 100ten Versuch scheitern, kommt vielleicht nur der weiter, der es 100 und 1mal versucht. Scheitern ist immer das Erkennen von einem Weg, wie es nicht geht und das ist eine Erfahrung, die man nur teuer erkaufen kann.

  • … Recruitern, die unter dem Fachkräftemangel leiden?

Ali Mahlodji: Dass sie nicht jammern, sondern ihre Hausaufgaben machen sollen. Jammern hilft keinem Menschen, sondern schwächt und mindert Energien. Lernen von den Besten nenne ich es immer. Ich kenne Hidden Champions aus Österreich und Deutschland (z.B. BFFT), die keine Probleme haben, weil sie sich z.B. extrem gut mit der Zielgruppe auseinander setzen und diese dort abholen, wo sie bereits heute schon interagieren. Höre ich von Unternehmen, die heute noch diskutieren, ob z.B. Social Media Sinn macht, erkenne ich, dass diese sich nicht auf ihre Zielgruppen eingelassen haben.

  • … Gründern, die an ihren Erfolgsaussichten zweifeln?

Ali Mahlodji: Wenn du zweifelst und Angst hast, bist du auf dem richtigen Weg! Wenn du denkst, dass alles gut geht, du alles richtig machst und du siegen wirst, läufst du Gefahr, dass du Opfer deines Egos wirst. Unternehmer sind dafür da, um Probleme zu lösen, die davor noch keiner gelöst hat. Zweifel und Angst sind gute Freunde und Begleiter, die dich immer wieder runter bringen. Lernen sie lieben.

employerreputation: Vielen Dank für das Interview, lieber Ali!

Zur Person:

Ali Mahlodji, Co-Founder, Ex-CEO und Chief-Storyteller

Ali Mahlodji, CO-Founder und nun Ex-CEO von WHATCHADO.com, wurde 1981 in Teheran/Iran geboren, jedoch flüchteten seine Eltern vor dem persischen Regime nach Österreich. Nachdem er in seiner Jugend die Schule abgebrochen hatte, holte er später noch seinen Abschluss Software Engineering (BSc.) an der FH Technikum Wien, berufsbegleitend nach.

Bevor er 2012 WHATCHADO.com mit gründete, war er nach seinem Abschluss als SAP Business Consultant bei der Siemens AG, als Engagement Manager bei Sun Microsystems, sowie zuletzt als Lehrer am Gymnasium Haizingergasse, Wien mit Fokus auf Digitale Medien, tätig.

[1] The Founder’s Dilemma, Noam Wasserman, https://hbr.org/2008/02/the-founders-dilemma (abgerufen am 10.07.2015 um 11:01)
[2] Announcement – Jubin Honarfar wird CEO von WHATCHADO, https://www.whatchado.com/blog/announcement-jubin-honarfar-wird-ceo-von-whatchado/ (abgerufen am 10.07.2015 um 11:20 Uhr)
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Von der Flugsicherung zur Versicherung – ein Interview mit Florian Schrodt

employerreputation: Lieber Florian, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst! Zunächst gratuliere ich Dir zu Deinem spannenden Karriereschritt! Warum hast Du Dich für die Direct Line Versicherung entschieden?

Florian Schrodt: Lieben Dank, Ina. Eine wirklich spannende Aufgabe. Der Kontakt zur Direct Line kam durch einen guten Freund zustande. Meine Erwartungen wurden dahingehend übertroffen, dass die Direct Line nicht nur ambitioniert und gewillt war, neue Wege im Personalmarketing & Recruiting zu gehen, sondern mich auch auf sehr persönlich wertschätzende Weise von Anfang an eingebunden hat. Dies ist für mich Grundstein für erfolgreiche Personalarbeit: den Mensch in den Fokus zu stellen. Nach tollen Jahren bei der DFS habe ich hier einen großartigen Entwicklungsschritt mit viel Gestaltungsspielraum gesehen.

employerreputation: Welche Ziele willst Du in Deiner neuen Rolle erreichen?

Florian Schrodt: Wir wollen als Arbeitgeber intern und extern unser Profil schärfen und die Vorzüge, die wir haben – (individueller) Entwicklungsspielraum, Zusammenhalt, Experimentierfreude, Verlässlichkeit, langfristige Perspektiven und auch eine ausgeprägte Work-Life-Balance – besser exponieren. Wir sind sicherlich ein Arbeitgeber – Diamant am Rande Berlins, den man mit etwas Politur zum Strahlen bringen kann. Das heißt: wir müssen uns nicht verbiegen mit Marketing-Schnick-Schnack, um attraktiv zu sein, sondern nur besser darstellen, wer wir sind und wofür wir stehen. Kurzum: wir wollen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden, die zu uns passen und dazu das Engagement der bisherigen Kolleginnen und Kollegen nutzen. Wir wollen unsere Prozesse effektiv und transparent gestalten, aber vor allem die Beziehung zum Menschen in den Vordergrund stellen. Das Tolle ist, dass ich in meiner Rolle sehr nah an die Personalleiterin, Karola Irmscher und den Kommunikationschef, Robert Burkhardt, angebunden bin, so dass wir in dieser Konstellation echte Durchschlagskraft haben.

employerreputation: Welche Projekte treibst Du im Moment voran?

Florian Schrodt: Das Ziel ist die Etablierung einer Joint Experience. Das bedeutet, dass die Außendarstellung geprägt ist durch die Innenwahrnehmung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in das Personalmarketing eingebunden, weil sie am besten wissen, was uns ausmacht und Inspiration dafür geben können, wie es ist bei uns zu arbeiten. Dafür gibt es einige Möglichkeiten: whatchado, careerdate, aber vor allem auch inhouse etliche Möglichkeiten (dazu irgendwann später gerne mehr … ). Gleichzeitig wollen wir das Feedback von Bewerbern nutzbar machen – zum Beispiel über Kununu, aber auch in Gesprächen selbst. Auf diese Weise möchten wir, dass unsere Kultur der Nahbarkeit und des Miteinanders greifbar wird.

employerreputation: Die Direct Line ist ein marketingorientiertes Unternehmen. Die DFS, Dein bisheriger Arbeitgeber, drängt nicht in die Medien. Was glaubst Du, welche neuen Potentiale und Herausforderungen werden Dir durch diesen Unterschied in Deinem neuen Job begegnen?

Florian Schrodt: Bei der Direct Line ist (genau wie bei der DFS) es ungemein wertvoll, dass wir mit sehr offenem Visier und Experementierwillen einen sehr direkten Draht zu Interessierten aufbauen können. Dafür ist das Agreement aller Verantwortlichen unabdingbar. Natürlich hilft dabei, dass durch eine Marketingabteilung (die es in der Form bei der DFS nicht gab), Know-how und Synergien vorhanden sind. Trotz aller vorhandenen Konzepte haben wir enorm viel Spielraum, im Rahmen der Gesamtmarke, die Arbeitgebermarke herauszuarbeiten – aber eben mit den Mitarbeitern zusammen und nicht nur auf sozusagen verkopfter Ebene der Marketingabteilungen. Gemeinsam mit dem Marketing haben wir schon erste Ansätze entwickelt, wie wir mit unserem Markenbild und unseren einzigartigen Facetten spielen können. Die Mitarbeiter fanden es schon mal sehr gut. Mehr mag ich noch nicht dazu verraten. Das rote Telefon der Direct Line ist auch vielen ein Begriff. Mal schauen, wie wir darauf aufbauen, oder das weiterentwickeln können. Auf jeden Fall gibt es sehr viel Substanz, weil hinter der Direct Line viele Werte stehen, mit denen man als Direktversicherer positiv überraschen kann.

employerreputation: Pragmatisch, fröhlich und mit geringen Ressourcen hast Du für die Deutsche Flugsicherung eine sehr erfolgreiche Facebook-Fanpage für das Employer Branding aufgebaut. Dann folgten weitere Kanäle und viele erfolgreiche Social-Media-Jahre. Was empfiehlst Du anderen Social-Media-Profis im Recruiting und Personalmarketing? Gibt es einen Königsweg? Fallen, die man vermeiden sollte? Kompetenzen, die man sich unbedingt erarbeiten sollte?

Florian Schrodt: Auf das Wesentliche konzentrieren! Das heißt Empathie vor Konzept und Mensch vor Prozess. Dabei nicht die Lust am Experimentieren verlieren und die Freude am Begeistern für Ideen und Themen. Social Media bedeutet immer auch vor allem kulturelle Zäsur, weil man eben sozial interagiert und nicht Kommunikation kontrolliert. Daher sollte man auch Gestaltungswillen und Mut haben. Aber: die richtigen Kanäle finden sich dann schon. Wobei: immer erst einmal das interne Potential nutzen. Dafür gibt es keinen Königsweg. Wer jedoch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Personalmarketing auf seiner Seite hat, hat extrem spannende Möglichkeiten!

employerreputation: Florian, danke für das Gespräch!

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Florian Schrodt, Leiter Personalmarketing & Recruiting der Direct Line Versicherung AG

Zur Person:

Im Juni hat Florian Schrodt zur Direct Line Versicherung AG gewechselt; dort leitet er nun das Personalmarketing & Recruiting. Zuvor war er mehrere Jahre als Referent Personalmarketing bei der Deutschen Flugsicherung GmbH. In 2012 wurde er mit dem Award „Social Media Personalmarketing Innovator 2012“ ausgezeichnet.

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